edingt
durch die Tatsache, dass die Kelten nur wenig aufgeschrieben haben
und alle Gesetze und Regeln von den Druiden in mündlicher
Form weitergegeben wurden, wird eine wissenschaftlich fundierte
Darstellung der keltischen Gesellschaftsform schwierig, aber nicht
unmöglich.
Wenn man die irische Mythologie und die jahrhundertelang geltenden
"Brehon laws" (altirische Gesetzestraktate) zugrunde legt, die
noch am längsten äusseren Einflüssen widerstehen
konnten, dann könnte der Aufbau der keltischen Gesellschaft
so ausgesehen haben:
Das Grundgerüst wurde gebildet durch die
Familie (= Fine), die sich auch den Mitgliedern von 4 Generationen
zusammensetzte.
Mehrere Familien bildeten zusammen eine Sippe (=Tuath), an deren
Spitze im Normalfall ein König (=Ri) stand, der gewählt
wurde. Jede Sippe war völlig autark mit eigenen Rechtsordnungen
und zum Teil auch eigenen Göttern.
Landbesitz eines einzelnen gab es nicht, nur eine Art Besiedlungsrecht,
das vom König verhängt wurde. Die Bedeutung einer Sippe
war abhängig entweder von der Anzahl des Viehs, das ihr gehörte
oder aber von der Grösse das Landes, das sie bewirtschaften
durfte.
Die Funktion der Könige war nicht das Erlassen von Gesetzen
oder die Strafverfolgung, sondern sie waren in erster Linie für
militärische und diplomatische Angelegenheiten zuständig.
Im Gegenzug für das Besiedlungsrecht, das ein König
erteilt, bekam er von der Sippe im Krisenfall militärische
Unterstützung.
Eine Königsherrschaft wurde nicht weitervererbt, sondern
durch Wahl erworben. Vorausetzung dafür war lediglich, dass
man einer königlichen Sippe entstammte.
In der Hierarchie unmittelbar unter dem König standen als
Stammeselite die Krieger, die Gebildeten und teilweise auch die
Handwerker. Die Rangfolge wurde dabei durch das Vermögen
bestimmt.
Die Druiden standen dabei aufgrund ihres Wissens und ihrer religösen
Bedeutung ausserhalb dieses Ranggefüges. Einerseits waren
sie dem König gleichgestellt, andererseits standen sie in
einigen Bereichen auch über ihm. Sie galten auch als die
Gesetzgeber und geistigen Führer einer Sippe.
Der Erziehung der Kinder wurde eine grosse Bedeutung beigemessen.
So kamen viele Kinder im Alter von 7 Jahren zu Pflegeeltern, die
nach bestimmten Kenntnissen und Fertigkeiten ausgewählt wurden.
In manchen Gegenden lag die Erziehung der Kinder und auch Jugendlichen
überwiegend in weiblichen Händen. Ihre Waffenausbildung
und auch die Sexualausbildung bekamen die Jugendlichen durch eine
Kaste kriegerischer Frauen, einer Mischung aus Zauberinnen und
Amazonen.
Die Erziehung waren teilweise kostenlos, teilweise wurden sie
aber auch nach Geschlecht unterschieden. In der Regel zahlten
die Eltern für Mädchen mehr als für Jungen, weil
Mädchen nach keltischer Auffassung als schwieriger zu erziehen
galten.
Die Tatsache, dass man Mädchen trotzdem die gleiche Erziehung
angedeihen liess wie den Jungen spiegelt auch hier die Position
der keltischen Frau wider.