Gwragedd Annun

Wasser spielt in vielen alten Religionen eine grosse Rolle. Einerseits ist es Lebensspender, andererseits ein Todeselement. Fast immer ist Wasser mit einem Frauenmythos verbunden, denn aus dem Wasser kam alles Leben, genauso wie aus dem Leib der Frau das Leben kommt. Aus diesem Grunde gibt es auch eine Reihe von Göttinnen, denen verschiedenen Gewässern geweiht sind. Als Folge des Christentums sind diese Göttinnen zwar aus dem religiösen Alltag der Menschen verschwunden, aber sie leben in Form von Märchen und Mythen als Nixen und Nymphen weiter.

In dieser Geschichte erwählt eine Gwragedd (walisische Wassernymphe) einen Mann. Er ist hier zwar der jenige, der ein Auge auf jemanden geworfen hat, aber die Frau seines Herzens zu erlangen, ist mit Schwierigkeiten verbunden und erst als die Betroffene in das Geschehen eingreift und signalisiert, dass sie auch Willens ist, kommt es zu einem Zusammenkommen. Aber nicht nur die gleichberechtigte Position der Frau wird hier verdeutlicht, sondern hier spiegelt sich auch das wider, was als unwürdiges Verhalten seitens des Mannes sanktioniert wird.

Ein junger Bauer weidet sein Vieh am Rande eines Sees. Eines Tages sah er in einem goldenen Boot eine wunderschöne Frauengestalt. Er war ihr gleich zugetan und bot ihr ein Stück von seinem Brot an. Das Brot war ihr aber zu hart und noch bevor er ein Wort zu ihr sagen konnte, verschwand sie in der Tiefe des Sees.
Am nächsten Tag brachte er ihr ein Stück ungebackenen Teig, den sie auch verschmähte. Erst am dritten Tag, als seine Mutter ihm etwas leicht gebackenes Brot mitgab, war sie zufrieden.
Kurze Zeit später tauchte ein alter Mann aus dem See und mit ihm zwei Frauen, die sich aufs Haar glichen. Der Mann sagte dem Bauern, dass er eine der Frauen heiraten könne, wenn er herausfinden könnte, welches die ist, die er liebt. Der junge Bauer war verzweifelt, aber da schob eine der Frauen ihren Fuss ein bisschen nach vorn und er erkannte ihren Pantoffel.
Die beiden feierten glücklich Hochzeit. Allerdings musste der Bauer versprechen, dass er niemals seine Hand gegen seine Frau erheben dürfe. Sobald er sie drei Mal ohne Grund gegen sie erhoben hätte, würde er sie verlieren.
Allerdings hatte seine Frau eine Angewohnheit, die recht ungewöhnlich war. Bei traurigen Anlässen sang und lachte sie und bei lustigen Anlässen brach sie in Tränen aus. Und so kam es, dass ihr Ehemann sie dreimal freundschaftlich ermahnte und ihr einen eher sanften Klaps gab. Aber das reichte um sich von ihm zu trennen.

 

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