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die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Besonderheiten des Volkes
verstehen zu können, ist es leider unabdingbar, ein wenig mehr über
die Ursprünge und die Charakterisierung zu erfahren.
Aber schon hier streiten sich die Gelehrten. Die einen meinen, das Ursprungsgebiet
der Kelten läge im Donauquellgebiet, also im südöstlichen
Europa, andere meinen, die Kelten stammten aus der Rheinebene.
Die Problematik dabei ist, dass das gesamte Gebiet als riesiges Durchzugsgebiet
zu sehen ist, in dem sich grosse Völkerbewegungen abgespielt haben.
Es gibt Meinungen, dass die Kelten nicht als eigenständiger Volksstamm
zu betrachten sind, sondern als ein Volk, das eben in diesem Schmelztiegel
als Sammelsurium vieler durchziehender Völker entstanden ist. Und
selbst wenn es so ist, dann scheinen sie daraus etwas Einmaliges und Eigenständiges
gemacht zu haben mit Konsequenzen, die bis in unsere Zeit reichen.
Es scheint aber relativ gesichert zu sein, dass Mitteleuropa
die Wiege der Kelten ist.
Gehen wir aber einmal davon aus, dass die Wiege der Kelten irgendwo zwischen
dem Donauquellgebiet und dem Rhein-Main-Neckargebiet anzusiedeln ist.
Es ist ziemlich sicher, dass von dort aus die keltischen Wanderungen in
drei grossen Schüben vonstatten ging:
1. die sogenannte keltische Wanderung:
im 7. Jhd. v.Chr. nach Gallien, Spanien und den britischen Inseln
2. die gallische Wanderung:
im 4. Jhd. v.Chr. nach Italien, Illyrien und Böhmen
3. die galatische Wanderung:
um 280 v. Chr. nach Griechenland und Kleinasien
Die Gründe dieser Völkerbewegung liegen
auf der Hand: Die dichte Besiedelung der Kelten und deren Spezialisierung
als Ackerbauer machten eine Expansion unumgänglich, wobei historische
Quellen bezeugen können, dass die Besiedelung anderer Landstriche
nicht unbedingt friedlich vonstatten gingen. Hinzu kam die Abenteuerlust,
die man den Kelten nachsagte, ebenso wie der Spass an kriegerischen Auseinandersetzungen,
der einen Gegenpol zu dem sonst eher sesshaften Verhalten der Kelten bildete.
Eine der wichtigsten Quellen keltischer Charakterisierung ist Ammianus
Marcellinus (4. Jhd. n.Chr.). Er sagt den Kelten ein eher aggressives
Verhalten nach, wobei keinerlei Unterschied zwischen Männer und Frauen
gemacht wird. Seiner Meinung nach soll ein keltischer Mann in Verbindung
mit seiner Frau nahezu unbesiegbar gewesen sein.
Aber die Kelten hatten nicht nur kriegerische Neigungen, sondern waren,
bei allem Unternehmerdrang und aller Abenteuerlust auch ein sehr einfallsreiches
Volk. Die Erfindung der eisernen Pflugschar, die zum Teil auch heute noch
genutzt wird, haben sie ebenso zu verantworten wie die ersten Vorläufer
der Sicherheitsnadel, der Töpferscheibe und der Herstellung von Seife.
Sie machten das Tragen von Hosen populär, was man bis dahin nur von
asischen Völkern kannte.
Im Allgemeinen genossen die Kelten zwar den Ruf, ein barbarisches Volk
zu sein mit rauhen Sitten, tatsächlich aber waren sie eher ein neugieriges,
wissensdurstiges, lebenslustiges und offenes Volk mit wenigen Tabus. Ihnen
sagte man eine schnelle Auffassungsgabe nach und eine rasche Anpassungsfähigkeit.
Gebräuche, Sitten und Götter, die die Kelten auf ihren Eroberungszügen
nicht bekämpfen konnten, wurden einverleibt und ihnen zu eigen gemacht.
Sie legten gesteigerten Wert auf ein gepflegtes Äusseres und kannten
den Gebrauch von Seife, als andere Hochkulturen es mit der Reinlichkeit
noch nicht so genau nahmen. Männer durften einen bestimmten Leibesumfang,
der mit genau abgemessenen Gürtel bemessen wurde, nicht überschreiten,
ansonsten drohten ihnen harte Strafen. Von einem König erwartete
man absolute Unversehrtheit. Wurde er in einer Schlacht nachhaltig verletzt,
so musste er zurücktreten.
Ihr Familiensinn war so ausgeprägt, dass sich im Zweifelsfall der
Ehrgeiz eines Einzelnen dem Wohl der Sippe unterordnen musste. Im Gegensatz
zu den Römern kannten sie auch kein persönliches Landvermögen,
sondern das Vermögen war immer auch Bestandteil der Sippe und prägte
deren Bedeutung. Die Konzentration auf die eigene Sippe hatte zur Folge,
dass sie sich nur schwer mit anderen Sippen verbünden konnten, in
denen sie immer so etwas wie ein Konkurrenzunternehmen sahen, was letztlich
auch zum Niedergang der keltischen Kultur beigetragen hatte.
Aller Wahrscheinlichkeit nach hätten die Römer der damaligen
Zeit überhaupt keine Chance gegen die Kelten gehabt, wäre diese
in der Lage gewesen, dauerhafte Bündnisse einzugehen. Aber vermutlich
ware dieses erhöhte Mass an Flexibilität, die Neugier auf Neues
und die mangelnde Ausdauer einige der grössten Hemmschuhe, so etwas
statisches wie eine Verbindung auf Dauer einzugehen, was sich im Übrigen
auch in der Instabilität der Ehe widerspiegelt.
Eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der Rolle der keltischen Frau
spielt dabei auch grosse Religösität der Kelten und die damit
zusammenhängende Betrachtungsweise der Natur. Dieses spiegelt sich
im Pantheismus der Kelten wider, in der Götter und Göttinnen
gleichermassen vertreten sind.